Trading und Geldanlagen – Wie IG Frauen für finanzielle Themen begeistern möchte

Simona Stoytchkova ist Geschäftsleiterin bei IG Deutschland, dem Anbieter für Differenzkontrakte und andere derivative Finanzprodukte. Im Interview erzählt sie, warum mehr Frauen sich ihrer Meinung nach mit Wertpapieren und Geldanlagen vertraut machen sollten und was sie persönlich an diesen Themen so spannend und wichtig findet.

Frau Stoytchkova, was begeistert Sie persönlich an den Themen Wertpapiere, Trading und Geldanlage so sehr?

Diese Themen sind meiner Meinung nach sehr wichtige Komponenten für die finanzielle Freiheit. Obwohl diese alleine nicht glücklich macht, sorgt es für Möglichkeiten, das eigene Leben wie gewollt zu gestalten. Insbesondere in Zeiten wie jetzt, in denen wir in einem Niedrigzinsumfeld leben und die staatliche Rente nicht unbedingt ausreicht, ist es von fundamentaler Wichtigkeit für die Selbstbestimmung, sich mit dem Thema Geld auseinanderzusetzen.

Wann haben Sie persönlich angefangen, sich für diese Themen zu interessieren?

Für mich persönlich haben meine Eltern und meine Großeltern eine sehr große Rolle diesbezüglich gespielt. Sie haben großen Wert daraufgelegt, dass mein Bruder und ich von klein auf lernen, wie man mit Geld umgeht und dass es wichtig ist, aktiv etwas für die Finanzplanung zu tun. Sie haben uns in ihrer Erziehung das Selbstbewusstsein mit auf dem Weg gegeben. Sie haben uns immer motiviert, Ziele zu setzen, für sie diese zu kämpfen und Herausforderungen positiv anzugehen. Das alles war für mich der Auslöser, mich mit den Themen Geld und Trading zu beschäftigen.

Weil bislang so wenig Frauen sich mit Wertpapieren beschäftigen, müsste es ein großes unerschlossenes Zielgruppenpotenzial geben. Was macht IG, um dieses Potenzial zu erschließen?

Das Potenzial der weiblichen Zielgruppe ist riesig, aber bisher hat es keiner so richtig geschafft, die Nische zu knacken. Es sind verhältnismäßig leider immer noch zu wenige Frauen, die investieren und traden. Das muss sich natürlich ändern, weil, wie gesagt: Finanzielle Freiheit ist eines der wichtigsten Elemente der Selbstbestimmung. Durch meine Position bei IG habe ich die Möglichkeit, mich aktiv dafür einzusetzen und Frauen für Finanzthemen zu begeistern. Und das tun wir auch als Unternehmen, indem wir auf speziellen Foren präsent sind und auch Finanzbildungsformate und Veranstaltungen gezielt für Frauen attraktiver gestalten. Investitionen in Finanzbildung generell ist einer der wichtigsten Bestandteile meiner Strategie für IG.

Sie erwähnten Veranstaltungen. Wie sehen diese genau aus, um möglichst viele Frauen zu erreichen?

Es fängt damit an, dass es ausgewogene Panel-Teilnehmer gibt. Ich erlaube keine ausschließlich männlichen Panels auf Events, die ich organisiere. Oft gibt es einen männlichen Moderator und eine weibliche Moderatorin. Zudem sind alle Formate inklusiver gestaltet. Das heißt, wir beziehen uns beispielsweise nicht nur auf männliche Szenarien und männliche Begebenheiten, sondern stellen Verhältnisse vor, mit denen Frauen im Alltag konfrontiert werden. Und da unterscheide ich mich von der breiten Masse. IG ist nicht das einzige Unternehmen, das das macht, aber gehört zu den wenigen, die einen großen Wert darauflegen.

Warum handeln Frauen Ihrer Meinung nach bislang relativ wenig mit Wertpapieren? Wie kann man sie mit den Themen vertraut machen?

Das ist historisch strukturell bedingt und kann nicht so einfach geändert werden. Die Rollenverteilung fängt schon früh in der Erziehung an. Und Finanzbildung wird im Schulsystem sowieso vernachlässigt. Auch in den Medien gibt es immer noch viel zu wenige Formate, die für Frauen ansprechend sind. Meiner Meinung nach ist ein wichtiger Schritt zum Erfolg die Finanzbildung, also die finanzielle Aus- und Weiterbildung. Frauen tendieren für gewöhnlich eher dazu, sich mit Themen gründlicher zu beschäftigen, bevor sie in die Umsetzung gehen. Fortbildungs- und Frauennetzwerke tragen dazu bei, dass das Bewusstsein für die Wichtigkeit von Geldanlagen gestärkt wird.

Haben Sie konkrete Beispiele dafür, wie man Frauen mit diesen Themen vertraut macht?

Ja, wir haben zuletzt bei IG einen Adventskalender ausgerollt. Das Besondere daran war, dass es eine Education-Reihe für Anfänger war, bei der unser Head of Markets Salah Bouhmidi einer Frau Trading beibrachte. Hinter jeder Tür war eine neue Episode, eine neue Lektion verborgen. Das ist bei Frauen sehr gut angekommen, die sich zahlreich für den Adventskalender registriert haben.

Ein sehr häufiges Argument im Recruiting lautet: es gibt zu wenig weibliche Bewerberinnen – wahlweise Bewerber:innen mit Behinderung oder von Menschen mit internationalen Wurzeln. Wie sehen Sie das?

Ich habe dieses Argument auch oft gehört und finde, dass das eine Unverschämtheit ist. Headhunter finden für Unternehmen genug weibliche Bewerberinnen, wenn sie sich darum bemühen und wenn das von dem Unternehmen gewollt ist. Es fängt bei der Stellenausschreibung an. Diese muss so gestaltet sein, dass sie alle Geschlechter anspricht. Dazu gehören feine Details und Redewendungen. Die Kandidaten-Auswahl sollte immer ausgewogen sein. Es ist auch wichtig, Rahmenbedingungen zu schaffen wie Mentoring, Sponsoring und konkrete Diversitätsziele für das Management. Diese müssen dann aber auch aktiv verfolgt werden, damit eine Vielfalt im Unternehmen entsteht. Es ist bewiesen, dass diverse Unternehmen in der Wirtschaft erfolgreicher sind.

Wie steht es bei IG um Diversität?

IG ist nicht nur bemüht, sondern handelt auch dementsprechend. Sowohl im Vorstand als auch die Positionen darunter, können wir sagen, dass sie bis zu 50 Prozent von Frauen und bis zu 50 Prozent von Männern besetzt sind. Ich bin keine Ausnahme in meiner Position. Das ist für ein Unternehmen wie IG keineswegs eine Selbstverständlichkeit und war für mich auch ein ausschlaggebender Faktor für meinen Antritt bei IG. Diversität zu schaffen, sieht die oberste Etage von IG als Verpflichtung an.

Welche Herausforderungen bei den Themen Diversität sehen Sie bei IG?

Diversität bedeutet natürlich viel mehr als nur mehr Frauen einzustellen. Es geht um Menschen mit Behinderungen, mit internationalen Wurzeln, um Menschen unabhängig von ihrer sexueller und religiösen Orientierung. IG ist nicht bei allem perfekt. IG versucht jedoch stets, eine Unternehmenskultur aufzubauen, die sich für Inklusion einsetzt und diese wird auch im Recruiting berücksichtigt. Die Förderung interner Netzwerke ist auch von enormer Wichtigkeit. Das sind Gruppen, die auch selbst Initiativen einleiten und noch mehr auf diese Themen schärfen.

Was würden Sie Frauen mit auf den Weg geben, wenn es um das Thema Geldanlage und Trading geht?

Mein wichtigster Rat wäre: Trauen Sie sich! Es ist nicht einfach, ein Profi in diesen Themen zu werden, aber es ist auch nicht so kompliziert, wie Fachleute es oft darstellen. Wichtig ist, ein Selbstbewusstsein dafür zu schaffen und die Angst vor Geldanlagen, Trading und Wertpapieren zu verlieren. Es ist fundamental wichtig, Eigenverantwortung im Leben zu übernehmen und Finanzen diesbezüglich zu priorisieren. Ich würde es mir wünschen, wenn Frauen die Angst vor der Börse verlieren und was das Thema angeht, emanzipierter werden.

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